Herzlich willkommen auf www.audiopaedagogik.ch

 

Liebe Eltern, liebe KollegInnen,
verehrte Gäste

In 2009 stellte ich praxistauglich Therapie-Ideen vor. Sie sind unter „AUS der Praxis FÜR die Praxis“ weiterhin auf dieser Website lesbar, unter den Überschriften Tagebuch, Yoghurtbecher und Seife. Im April 2010 kam das Wortspiel hinzu.

Ihnen gemeinsam ist die Ausübung üblicherweise in Haus oder Garten, in der Wohnung oder auf dem Balkon. Diese kleine Serie erfährt nun ihre Fortsetzung mit einem Ausflug in die Natur.

Wandern ist für alle Kinder schön, sofern

  • die Strecke ihrer physischen Entwicklung gerecht wird
  • sie sich frei bewegen können und nicht ständig angehalten werden aufzupassen – wegen eines Abhangs, Autos usw.
  • an Horizont oder Wegesrand Interessantes zu entdecken ist.

Wenn - mindestens - eine Altersgefährtin oder ein Altersgefährte mitwandert, ist dies den meisten Kindern etwa ab dem Primarschulalter sehr sympathisch.

Wir beziehen das Kind in die Vorbereitung ein und studieren mit ihm Wanderkarten und Fahrpläne – vorausgesetzt, es ist reif für solche Übungen - , wir packen zusammen seinen Rucksack und erklären, warum was mitzunehmen ist. Wie lautet die Wettervorhersage? Können wir uns auf sie verlassen? Wie sich plötzliche Änderung auswirken würde, wenn wir fernab einer Busstation und einer Unterkunft unterwegs sind, bildet möglicherweise ein Thema, vielleicht eines, das die Phantasie des Kindes anregt, es heimlich oder offenkundig auf ein Abenteuer hoffen lässt.

Von Kopf bis Fuss starten wir richtig gekleidet. Die Sandalen, mit denen erwachsene (!) TouristInnen sogar bei Gebirgswanderungen ReiseleiterInnen immer wieder mal erschrecken, bleiben daheim. Und der Teddybär? Auch er, denn das Wandern erfreut erst ab einem Alter, in dem solche Lieblinge für ½ oder 1 Tag entbehrlich sind.

Bei der Wanderung sind in audiopädagogischer Hinsicht Töne von Tieren belangvoll. Abhängig von Tages-, Nacht- und Jahreszeit sowie Region sind summende Bienen, schreiende Esel, quakende Frösche, röhrende Hirschen, bellende Hunde, im Laub raschelnde Igel, miauende Katzen, muhende Kühe, wiehernde Pferde, blökende Schafe, zwitschernde Vögel, meckernde Ziegen zu erleben, bei jeder Tierart obendrein durchaus unterschiedlich. In der Regel begegnen wir Menschen. Können wir erkennen oder wenigstens raten, wie abgekämpft oder fit die schnaufende Joggerin und der keuchende Velofahrer sind? Glockengeläut, Geräusche von Traktor und Mähdrescher, ein rauschender Bach, im Wind säuselnde Blätter und Donner, aber auch ungewohnte Stille erweitern die Vielfalt akustischer Eindrücke, die es wahrzunehmen und einzuordnen gilt. Wie lässt sich der Stoff geschickt vermitteln?

Wir raten. Dies bietet sich an, wenn wir etwas hören, aber noch nicht sehen können. Oder wir erörtern verschiedene Möglichkeiten bei Unsicherheiten: Der Eindruck, den etwa der Velofahrer hinterlassen hat, muss nicht zu einem einheitlichen Resultat führen. Wir überlegen, mehrere Geräusche gleichzeitig wahrnehmend, ihre Quellen, ferner ob die Kirchenglocke vielleicht so laut war, dass ein eventuell in der Nähe befindlicher Igel übertönt wurde. Wie geht akustisch es bei Tieren zu, die sich jagen, zum Beispiel Katze und Maus? Kennen wir akustische Drohkulissen? An einem Teich werfen wir einen Stein in das Wasser und lauschen, das Kind zur Nachahmung auffordernd, analog beim Echo. Der Vater geht bewusst voraus oder bleibt zurück: In welchem Abstand kann er den Ruf seines Kindes noch hören und umgekehrt? Das stets beliebte Versteckspiel, hinter einem Strauch oder einem mächtigen Stamm, mit Übung zum Richtungshören darf nicht fehlen.

Wer die Schweiz nur flüchtig kennt, mag denken, dass Wanderungen mit Kindern ausserhalb traditionsreicher Fremdenverkehrsgebiete wie Wallis, Graubünden oder Berner Oberland schwierig oder sehr eingeschränkt sind. Falsch! Selbst der Kanton Zürich mit seiner Industrie und seinen beiden Grossstädten Winterthur und Zürich bietet ein ansehnliches Netz an gut erschlossenen und ausgeschilderten, etwa 3´000 km langen Wanderwegen (schweizweit 60´000 km). Geführte Wanderungen sind in einer an SBB-Bahnhöfen erhältlichen Broschüre zu finden. Ausserdem lohnt, bei www.zuercher-wanderwege.ch zu schauen, auch hinsichtlich Tourenvorschlägen und aktueller Karten. „32 einzigartige, teilweise neue Routen aus der ganzen Schweiz“ stellt „Der Wanderverführer“ vor. Diese – ebenfalls kostenlose - Broschüre resultiert aus einer Partnerschaft von Schweiz Tourismus und UBS.

Für historisches Material, etwa die erste gedruckte Reisekarte der Schweiz von 1813 beziehungsweise einen Nachdruck hiervon, sind einschlägige Antiquariate und Messen zu empfehlen. Ein interessanter Beitrag zur Schweizer Wandergeschichte, beginnend ab 1730, ist in „Zürich: wanderbar“ veröffentlicht, herausgegeben von der Zürcher Kantonalbank.

Eltern sind wohl beraten, wenn sie nicht ehrgeizig und unterrichtend wandern. Mürrische Gesichter und Ablehnung könnten beim nächsten Mal die Folge sein, wenn die Sprösslinge weniger geläufige Blumen identifizieren sollen und sich ständig auf Fragen nach Getreidesorten und Bäumen einzustellen hätten. Ein handliches Buch im Rucksack zu Fauna und Flora ist grundsätzlich vorteilhaft, der Umgang hiermit situationsabhängig. Im Vordergrund steht gemeinsame, erholsame Aktivität an frischer Luft, im offiziellen „Jahr des Wanderns 2010“ und dauerhaft.

Es Grüessli
Susi Ungricht Rex

©Susi Ungricht Rex